Mein Konzept: Lernen, das durch die Hände geht
Haptisch, kleinschrittig, motivierend – und so gebaut, dass Kinder möglichst allein damit arbeiten können.
Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernen dann nachhaltig, wenn sie Inhalte buchstäblich be-greifen können. Hinter jedem Material in diesem Shop stehen vier Prinzipien, die sich in fast vierzig Jahren Unterricht an der GB-Schule bewährt haben.
1. Be-greifen – der Kopf versteht, was die Hand tut
Wenn eine Hand etwas legt, sortiert, zuordnet oder nachlegt, erschließt der Kopf die Bedeutung dahinter mit. Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die im Unterrichtsalltag konsequent umgesetzt werden muss – und genau daran scheitert es oft an der Zeit. Deshalb ist jedes Material hier gegenständlich und handlungsorientiert aufgebaut. Die Aufgaben sind so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler sie nach kurzer Einführung eigenständig bearbeiten können, ohne dass du danebensitzen musst.
2. Kleinschrittigkeit – keine Stufe überspringen
Wer zu groß denkt, überspringt genau die Zwischenschritte, die Kinder mit Förderbedarf brauchen, um sicher voranzukommen. Meine Materialien sind deshalb konsequent nach Entwicklungsschritten gegliedert:
- Mathematik: vom nicht-numerischen Bereich bis in den Hunderterraum
- Deutsch: vom Bilderlesen über das Ganzwortlesen bis zum Textverständnis
- Wahrnehmung & Motorik: von der visuellen Differenzierung bis zur Graphomotorik
Das macht die Auswahl leichter: Du siehst auf einen Blick, wo ein Kind gerade steht – und welches Material als Nächstes sinnvoll ist.
3. Motivation – Wiederholung, die sich nicht wie Wiederholung anfühlt
Eine Aufgabe, die lustlos abgearbeitet wird, festigt nichts. In vielen Materialien steckt deshalb ein Spaßfaktor: ein Wettelement, eine kleine Geschichte, eine Zeitvorgabe. Das weckt Ehrgeiz und bringt Kinder dazu, dieselbe Übung von sich aus noch einmal zu wollen. Im Förderunterricht ist Wiederholung unverzichtbar – sie muss sich nur nicht danach anfühlen.
4. Struktur – Aufgaben, die sich selbst erklären
Manche Kinder profitieren besonders von klaren, immer gleichen Abläufen: Schülerinnen und Schüler aus dem Autismus-Spektrum, aber längst nicht nur sie. Für sie orientiere ich mich am TEACCH®-Ansatz¹ – Aufgaben also, deren Aufbau ohne Worte zeigt, was zu tun ist. Die Klettmappen, Dosen, Kisten und Tabletts im Bereich Strukturiertes Lernen sind nach diesem Prinzip entstanden. Sie sind eigenständig entwickelt, ohne offizielle Zertifizierung, aber im Geist dieses Ansatzes. ¹ TEACCH® ist ein eingetragenes Warenzeichen der University of North Carolina at Chapel Hill.
Wobei uns KI hilft – und wo sie aufhört
Ehrlich gesagt: Ohne künstliche Intelligenz sähen viele Materialien heute schlechter aus. Früher habe ich Illustrationen selbst gezeichnet, mit Buntstift, so gut es eben ging – professionelle Grafikerinnen und Grafiker wären für einen Shop dieser Größe schlicht nicht finanzierbar. Heute entstehen die Abbildungen digital: lebensnäher, klarer, einheitlicher und damit deutlich besser geeignet für Kinder, die auf eindeutige Bildinformationen angewiesen sind.
Noch wichtiger ist der zweite Effekt: Es gibt Ideen, an denen ich jahrelang gescheitert bin – nicht an der Didaktik, sondern an der zeichnerischen Umsetzung. Diese Materialien lassen sich jetzt endlich realisieren. Was dabei unverändert bleibt: Das Konzept, die Aufgabenlogik und die Auswahl kommen von mir. Jedes Bild wird geprüft, überarbeitet oder verworfen, und produziert wird nach wie vor von Hand.
Warum digitale Medien den Gegenstand nicht ersetzen
Genau hier sehe ich aber auch die Grenze. Es gibt sehr gute digitale Lernangebote, und ihre motivierende Wirkung möchte ich niemandem ausreden – Tablet-Übungen holen Kinder oft dort ab, wo Papier es nicht schafft. Nur: Ein Bildschirm gibt kein Gewicht zurück, keine Oberfläche, keinen Widerstand. Wer die Welt begreifen soll, muss sie anfassen dürfen. Für Kinder mit Förderbedarf ist der reale Umgang mit Gegenständen mindestens eine notwendige Ergänzung – und in vielen Fällen die Voraussetzung dafür, dass ein Inhalt überhaupt ankommt. Deshalb kommt bei mir alles gedruckt, laminiert, geklettet und in die Hand.
Über mich: Barbara Hasenbein
Sonderpädagogin, Fachbuchautorin – und seit fast vierzig Jahren Materialentwicklerin aus Notwendigkeit.
Zwei erklärende Sätze: Ich habe fast vier Jahrzehnte an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung unterrichtet. Weil es passendes Material kaum zu kaufen gab, habe ich es selbst gebaut – Stunde für Stunde, Jahrgang für Jahrgang.
Aus dem Unterricht, nicht vom Reißbrett.
Einen Großteil meiner Vorbereitungszeit habe ich damit verbracht, Material zu entwickeln, das wirklich zu meinen Schülerinnen und Schülern passt. Fertige Angebote gab es selten, und wenn, dann selten kleinschrittig genug. So ist über die Jahre ein Fundus entstanden, den ich zunächst mit Kolleginnen und Kollegen geteilt habe. Irgendwann war er so gewachsen, dass ein eigener Shop die naheliegende Konsequenz war.